Terrorangst am Reichstag

Es wird kalt in Berlin. Die ersten Schneeflocken fallen und langsam aber sicher beginnen die Vorbereitungen fürs Weihnachtsfest. Wie die dichte Wolkendecke hängen auch die jüngsten Terrorwarnungen über der Stadt: immer mehr Polizisten treten mit großen, gut sichtbaren Schusswaffen in der Öffentlichkeit auf. Das Innenministerium ruft zu besonderer Vorsicht und Wachsamkeit auf. Letzte Woche wurden gleich zwei verdächtig herumstehende Koffer gesprengt. Beide stellten sich jedoch als harmlos heraus. Jetzt ist auch noch die Reichstagskuppel für Besucher gesperrt worden. Pure Übertreibung oder gerechtfertigte Vorsicht?

Unsere Reporterin Georgina Fakunmoju hat an einem eisig kalten Nachmittag die Stimmung am Reichstag eingefangen.


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Portrait eines Politaktivisten

Sahand Zamani, Pressesprecher des politischen Netzwerks „Hemayatgaran“, über Mahmud Ahmadinedschad, seine Familie im Iran und seine politische Arbeit in Deutschland.

http://www.youtube.com/watch?v=6Lxwa2vJ1-s

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Winnie, der kleine Feigling

Findest du Winnie auf dem Bild? Such ihn und begleite den kleinen Feigling auf Entdeckungsreise in seine Heimat Istanbul!

http://www.youtube.com/watch?v=Ml60vyJOmJQ

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Das Phänomen Kurt Krömer oder Wie man sich korrekt politisch unkorrekt verhält

Ich habe ein schwierig zu überwindendes, nein, wir wollen bei der Wahrheit bleiben, genüsslich gepflegtes Vorurteil: Leute, die in die Shows von großen Stand-Up Comedians gehen, sind eine ganz übler Schlag Mensch. Mit ihrem gestörten Verhältnis zu Humor sitzen sie da in ihren Klappsesseln, lassen sich 2½ Stunden bespaßen und haben auf Knopfdruck plötzlich so richtig gute Laune. Mit Herunterlassen des Vorhangs ist der Spaß allerdings schnell vorbei: Die Leute, die sich gerade noch vor Lachen die Hände auf die Schenkel geklopft haben, seilen mit Verlassen ihres Sitzes augenblicklich die dauerfrustrierten Mundwinkel in ihre Ursprungsposition ab und warten streitsüchtig darauf, dass im zum kostspielig erworbenen Veranstaltungsticket integrierten Servicebetrieb endlich ein Fauxpas begangen wird. Diese Verunsicherungstaktik, egal ob bei der Garderobe, der Bar oder am Bratwurststand angewendet, schlägt erfahrungsgemäß irgendwann an, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann jemand die „DAS-KANN-JA-WOHL-NICH-WAHR-SEIN“-Packung kassiert. Diese Art Publikum scheint irgendwie mit dem Genre an sich zusammenzuhängen und lässt sich auch bei Komikern, die die humoristische Niveaustufe eines Mario Barths oder Atze Schröders weit hinter sich lassen, leider nicht fernhalten.

Durch Zufall verschlug es mich trotz dieser Vorbehalte kürzlich in die Show von Kurt Krömer – und siehe da, da waren sie wieder, meine vorurteilsnährenden Forschungsobjekte. Was das Publikum anging gab es an diesem Abend wenig Überraschungen, ganz anders sah es mit Krömers neuem Bühnenprogramm aus. Während bei „Na, du alte Kackbratze“ noch recht beliebige, genretypische Episoden aneinander gereiht wurden, war die Krömersche Darbietung jetzt lebendiger, assoziativer und mutiger und als Gesamtkonzept sehr überzeugend. All das, was das öffentliche Berlin eigentlich so unansehnlich macht – das kultivierte Meiden von Kontakt, der in der U-Bahn trainierte, starr am Anderen vorbei gelenkte Tunnelblick, die Stille, die wenn überhaupt dann rotzig formulierten Antworten – all das verkehrt Alexander Bojcan, wie Krömer laut Personalausweis heißt, um. Ein Krömer würde in der U-Bahn sofort einen Plausch halten, sich mit jemandem anlegen, einer attraktiven Frau seine Telefonnummer aufdrängen, die Schlagzeilen der Bild im Berliner Fenster vorlesen oder lauthals über die BVG meckern. In der Konzentriertheit der Figur Krömer zeigt sich die ganz spezielle Verbundenheit, die man als Berliner zu dieser verschrobenen Mentalität empfinden kann. Denn die Figur Krömer als gewissermaßen personifiziertes Alt-Berlin bewahrt uns ein Stück Berliner Urkultur, die vom Aussterben bedroht ist. Als typische Neuköllner Atze trägt Kurt Krömer sein Herz auf der Zunge, beschwert sich permanent über andere, die er im selben Atemzug beleidigt und gibt den narzisstischen Schlauschwätzer. Dass es in diesem Redefluss unermüdlich verbale Entgleisungen hagelt ist dabei kein Verlust, sondern ein Gewinn für die Figur. So imitiert Herr Krömer beispielsweise seinen Nachbarn Ali, der im 5. Stock über ihm wohnt, in dem er am Fenster Alis „typisch orientalischen“ Teppich ausklopft: „Na Ali, springta nich an?“ Super. Von diesen Beispielen gibt es unzählige in Krömers neuer Show, gänzlich schamfrei und unverkrampft kostet er die volle Bandbreite an Konstruktionen vom Anderen aus, seien es Frauen, Schwule, Türken, Ossis oder Spandauer. Als Stammtisch-Kalauer wäre diese Art von Witzen inakzeptabel wenn nicht gar gefährlich, wenn Krömer das macht, kann und sollte man darüber lachen. Krömer sagt, dass er in China ja bereits Kult ist, Kult Klömel. Das ist tatsächlich lustig wenn er das sagt.

Bojcan als Krömer darf sexistische und rassistische Witze machen, weil die Figur ironisiert und vielfach gebrochen wird. Während er sein fixes Weltbild jedem der es hören oder nicht hören will um die Ohren schleudert, ist er ständig in regem Kontakt zu seinen Mitmenschen, konfrontiert diejenigen mit seinen Vorurteilen, gegen die sie sich richten, schafft Räume für Interaktion. Die Unreflektiertheit und Beliebigkeit seiner Urteile trägt er offen zur Schau und exponiert damit nicht zuletzt auch ihre Lächerlichkeit. Das macht den Feinsinn des Krömerschen Humors aus. Vorurteile sind nicht immer mit Rassismus oder Sexismus gleichzusetzen, es handelt sich um vielschichtige, irrationale Verhaltensmuster, die, nach außen getragen, sogar eine eigene Produktivität entwickeln können. Die Kriterien um zu entscheiden, ob etwas angemessen ist oder nicht, sind schwer wenn nicht gar unmöglich zu definieren und allzu oft entziehen sich einer allgemeinen Bewertbarkeit.

Kurt sagt, dass er vertraglich zugesichert hat, keine Witze über Polen zu erzählen, seine musikalische Bühnenbegleitung ist nämlich Pole und das wäre unfein, Polenwitze in Gegenwart eines Polen zu erzählen. Immer wieder setzt er an, besinnt sich dann aber eines Besseren und sucht sich andere Opfer, doch am Ende, wie sollte es anders sein, kann er sich doch nicht beherrschen und er platzt mit drei Schenkelklopfern über das Autos klauende Nachbarvolk heraus. Das Lachen darüber blieb mir jedoch im Halse stecken als ich mir einiger meiner humorlosen Publikumsgenossen ansah – verstanden sie den ironischen Aspekt des Witzes oder würden sie den Brüller aus der Show gleich morgen ihren Freunden weiter erzählen? In dieser Möglichkeit, Krömer nur auf der Textebene zu lesen, besteht die Schwierigkeit der Figur. In diesem Zusammenhang war ich dankbar, als Krömer zwischendurch einen wie diesen auspackte: „Ja, ick habe Kontakt zu Schwulen. Und jetz sag ick Ihnen noch watt, da wern se staunen: ick habe sogar Kontakt zu Ausländern! Und jetze verrat ick ihnen noch ne janz heiße Info, halten se sich fest: DIE MAUER IS WEG!“

Viele Berliner, die Krömer lustig finden, gehen deswegen noch lange nicht in seine Stand-Up Comedy-Show in den Admiralspalast. Und viele der hier im Publikum sitzenden Leute könnten sich wahrscheinlich im Leben nicht vorstellen, in Neukölln zu wohnen. Zwischen dem inhaltlichen Witz und der Form der Darbietung gerät also irgendwie etwas abhanden, es verändert sich etwas oder es kommt etwas dazu. Wie ein Übertragungsfehler, eine Sendestörung. Dass das Prinzip Krömer nicht zu 100 Prozent aufgeht ist schade, zumindest für mich an diesem Abend. Ob das den Mann hinter Krömer interessiert? Ob Kurt Krömer so etwas wie Sendungsbewusstsein hat? Man weiß es nicht. In einem Interview im Tagesspiegel im September 2006 äußerte sich Bojcan zum Thema politische Korrektheit noch folgendermaßen: „Was habe ich denn davon, wenn ich meine muslimischen Mitbewohner verarsche? Ich mache mich nicht über Ausländer lustig, sondern über Ausländerfeinde. Ich mache doch auch keine Polenwitze, wie man sie vor zehn Jahren über Ostfriesen erzählt hat. Nur wegen der Pointe.“ Diese Meinung hat Alexander Bojcan offenbar geändert. Und dazu kann man ihn, trotz aufkommender Fragen und zaghaftem Unbehagen, nur beglückwünschen.

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Wissensmacht – Machtwissen. Eine Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit Rassismus und kolonialen Kontinuitäten in Universität und Wissenschaften

Commit Berlin e.V. veranstaltet im WS09/10

ab 21.10.2009
jeden zweiten Mittwoch
um 18.30 Uhr im HU-Hauptgebäude (Unter den Linden 6), Raum 3038/3035veranstaltungen.berlin@com-mit.org
Oder geh auf: www.commit-berlin.dewww.netzwerk-selbsthilfe.de)

Im Rahmen der Kampagne verschiedener Berliner politischer Gruppen zur 125ten Jährung der Berliner Afrika-Konferenz von November 2009 bis Februar 2010 veranstaltet der Studierendenverein Commit Berlin e.V. eine Reihe, in der koloniale Kontinuitäten im Alltag und in Wissenschaftsbetrieben thematisiert werden sollen. Die Veranstaltungen sind Teil der politischen Bildungsarbeit von Commit Berlin und sollen zur Sensibilisierung der deutschen Öffentlichkeit beitragen.
Ausgangspunkt ist die Universität als ein Ort, der den Alltag von Studierenden und Lehrenden wesentlich prägt und an dem vorgeblich universelles Wissen und ‚Wahrheiten’ produziert werden, sich gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse spiegeln, Zugänge zu Realität und Wissen verhandelt werden.
Wir wollen kritisch hinterfragen, was in der Berliner Wissenschaftsbetrieben passiert. Wer kann dort sprechen und worüber? Wessen Stimme wird gehört? Wessen Wissen wird als Wissen anerkannt? Welche Funktion haben diese Ein- und Ausschlüsse für die Selbstkonstruktion der dominanten weißen Wissenschaften?
In Deutschland gibt es kaum Studiengänge, die sich explizit mit Post-Kolonialität befassen, zu viele (weiße) Menschen wissen und lernen nichts über die Berliner Afrika-Konferenz und deren bis heute währende Folgen. Die Auseinandersetzung mit deutscher Kolonialgeschichte und bis heute sicht- und spürbaren kolonialen Denk- und Verhaltensmustern und Strukturen ist noch nicht in der selbsternannten Mitte der Gesellschaft angekommen. Kolonialrevisionismus und Alltagsrassismus gehen Hand in Hand und legitimieren im Deutschland des 21. Jahrhunderts einen kolonialen Raum.
Die Veranstaltungsreihe soll zur Anerkennung eines post-kolonialen Diskurses in Deutschland beitragen und zu einer kritischen Reflexion (vor allem von Studierenden) über gewaltvolle Strukturen in ihrem eigenen Umfeld anregen. Ebenso versuchen wir, eine breitere Öffentlichkeit für alltägliche Rassismen zu sensibilisieren. Wir wollen eine Einführung in diverse Themenbereiche wie Alltagsrassismus, diskriminierende Strukturen in den Wissenschaften oder Deutsch als rassistische Sprache bieten, Denkanstöße geben und zur weiteren Diskussion und Reflexion der behandelten Themen anregen.
Für diese Verhandlungen haben wir die Universität gewählt, denn es ist an der Zeit, dass sich weitere Diskurse und Perspektiven an diesem Ort Platz verschaffen und so zu einer weiterreichenden Transformation beitragen.

ab 21.10.2009 jeden zweiten Mittwoch um 18.30 Uhr im HU-Hauptgebäude (Unter den Linden 6), Raum 3038/3035

21.10. Natasha A. Kelly
Afroism. Zur Situation einer ethnischen Minderheit in Deutschland

4.11. Katharina Oguntoye
Geschichte(n) Schwarzer Menschen in Deutschland

18.11. Dr. Grada Kilomba
Who can speak? University and the decolonization of knowledge

2.12. Dr. Susan Arndt
Rassismus in der deutschen Sprache

16.12. Yonas Endrias
Rassismus in der Wissenschaft – wissenschaftlicher Rassismus

13.1. Aretha Schwarzbach-Apithy
Weiße kolonial-rassistische Lebensart – innere Kolonisierung

27.1. Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers
Dekolonisierung als methodisches und methodologisches Projekt der Wissenschaftskritik

10.2. Podium: Interventionen
Strategien zur De-Kolonisierung der Universität und Wissenschaften

Du möchtest mehr Infos und rechtzeitig zu jeder Veranstaltung informiert werden?
Dann schreib an:

Die Reihe wird gefördert durch: EED (Evangelischer Entwicklungsdienst) und Netzwerk Selbsthilfe e.V (

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Möglichkeitsraum I – Eine transnationale Raum Montage, 27.09. – 30.10.2009

Skulpturenpark Berlin_Zentrum zeigt: Wunderland #5
Möglichkeitsraum I. Eine transnationale Raum-Montage

Konzept und Realisation: Angela Melitopoulos

Ausstellungsdauer 27.9. – 30.10.2009
Skulpturenpark Berlin_Zentrum, Kommandantenstrasse & Alte Jakobstrasse

Der ‚Möglichkeitsraum I’ inszeniert Photographien von der militärisch kontrollierten Geisterstadt Varosha in Zypern und aus der Green-Line in Nikosia auf dem Gelände des Skulpturenparks. Auf neu errichteten Plakatwänden sind die Bilder über das gesamte Gebiet zwischen Moritzplatz und Spittelmarkt als ‚Storyboard’ montiert. In der Nähe der Plakatwände lassen sich Telefonnummern finden, über die sich Tonstücke abrufen lassen.

Der ‚Möglichkeitsraum I’ befasst sich mit der Teilung urbaner Räume in Nikosia und Berlin, des kollektiven Gedächtnisses und Archives sowie mit der Rolle der Migration in territorialen Konfliktzonen.

*Bilder:* UN Archive Zypern
*Telefonstücke *(Die Anrufe sind kostenfrei)*:**
*0931 66399 0407: ‘*G*’ von MariaGiovanna Nuzzi
* 0931 66399 0762: ‘*Oskar*’ von S. Sohrabi & G.Fakunmoju
* 0931 66399 2676: *‘Pagani DetentionCenter’*, von Angela Melitopoulos
* 0931 66399 2975: *‘Georgina’* von Angela Melitopoulos

*Ab 19 Uhr auf dem Gelände: *Open-Air-Videoscreening *

*- MariaGiovanna Nuzzi‚* ‚*The Law or to the Desert’*, 14 min Das Video erzählt eine Geschichte vom Einschluss zweier palästinensischer Männer im Flughafen von Dubai. Diese Arbeit konfrontiert mit der Realität gesetzlicher Lücken und hinterfrägt die Beziehung zwischen Sichbarkeit und Staatsbürgerschaft, die für manche Menschen nicht mehr existiert.

*Raphaël Grisey / Bouba Touré*, *58, rue Trousseau, Paris France’*, 2008, 29min. Dieses Video von Bouba Touré für Raphaël Grisey wurde in seiner Pariser Wohnung gedreht. Die Wände der zwei Zimmerwohnung sind voller Fotografien, Poster und persönlicher Erinnerungen, die das Video in zwei Einstellungen zeigt. Bouba Touré verbindet mit diesen Bildern viele politische Kämpfe der letzten 50 Jahre.

*Ines Schaber zeigt Ausschnitte aus Filmen über den Häuserkampf in Berlin Kreuzberg und führt ihren mit Mathias Heyden geschriebenen Text ‚*Hier ist die Rose, hier tanze!* *Or – What if’ *ein*. *Der Text wurde für das von
Stefanie Schulte Strathaus und Florian Wüst herausgegebene Buch ‚*Wer sagt
denn, dass Beton nicht brennt. Hast Du’s probiert? Film im West-Berlin der 80er Jahre* (Berlin: b_books, 2008)“ produziert.

*Alana Kakoyiannis*, ‚*Still*’, 2009, 18min. Ein poetischer Dokumentarfilm über Häuser aus der Sicht zypriotischer Flüchtlinge aus dem Norden und Süden der Insel. Die Ergebnisse der Bundestagswahl werden in den Pausen angekündigt.

*Bereits am 26. September 2009 findet zwischen 11 und 18 Uhr eine Tagung in den neuen Räumen von KUNSTrePUBLIK e.V. statt, zu der wir herzlich einladen. Eingeladene Künstler und Wissenschaftler werden ihre Projekte skizzieren und mit Angela Melitopoulos eine gemeinsame Diskussion über den Möglichkeitsraum I führen.

*Teilnehmer der Tagung:*

Alana Kakoyiannis (Filmemacherin, Nikosia) / Screening : „Still“

MariaGiovanna Nuzzi (Video-Künstlerin, London) / Präsentation : *Ontology. How to make the ethics react with the excercise of politics’.*

S. Sohrabi & G.Fakunmoju (EMW, Potsdam,) / Präsentation des Tonstückes „Oskar“
Ines Schaber (Künstlerin, Berlin) / Präsentation : *“Hier ist die
Rose, hier tanze! Or –What if.“

Eyal Sivan (Filmemacher, Paris) / Projekt: „*The Common Archive*“
Vassilies Tsianos (Soziologe, Hamburg) / Autor des Buches „Escape Routes“
Michael Willenbuecher, (Kanak-Attack Berlin) / Vortrag : „*Strength in Numbers. Migration, mobility and the pitfalls of a sedentary ontology“

*Ort:* KUNSTrePUBLIK e.V, Konferenzraum. 5. OG, Köpenicker Str. 36-38

*Für ihre freundliche Unterstützung danken wir:*

Mihai.Gesellschaft für Mediaservice; european cultural foundation;
Cineplus
Berlin; autoprint.de

———————–
Für ihre freundliche Unterstützung danken wir / the project is supported by Mihai.Gesellschaft für Mediaservice.; european cultural foundation, Cine + .
autoprint*

Curatorial Comitee
Matteo Pasquinelli (Amsterdam/London)
Tim Voss/Britta Peters (Kunstverein Hamburger Bahnhof, Hamburg)
Pelin Tan (Istanbul)
und KUNSTrePUBLIK e.V.

————————————–
Skulpturenpark Berlin_Zentrum
KUNSTrePUBLIK e.V.
Köpenicker Str. 36/38
10179 Berlin
mail@skulpturenpark.org
http://www.skulpturenpark.org

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Schwein gehabt!

Endlich richtig Sommer in Deutschland! Über 30 Grad! Juhu! Einziger aber schwerer Haken: ich habe Grippe. Badewanne statt Prinzenbad, Hühnersuppe statt Brombeereis, „Das perfekte Dinner“ statt Grillen im Park. Nur das Schwitzen habe ich an diesem angeblich heißesten Tag des Jahres mit den mir unerträglich fröhlich und agil erscheinenden Berlinern gemeinsam. Nach nunmehr geschlagenen drei Tagen, in denen ich sehr geschäftig zwischen Bett und Sofa hin- und herpendle, habe ich mittlerweile den Kontakt zur Außenwelt gänzlich abgebrochen. Denn mein Krankheitsfall macht offenbar nicht nur mir, sondern auch meiner Umwelt arg zu schaffen. Grund dafür ist nicht etwa Anteilnahme, sondern eine ausgemachte, weltweit verbreitete Krise namens: SCHWEINEGRIPPE.

Ach, du bist krank? Na hoffentlich ist es nicht die SCHWEINEGRIPPE!

Dein Mitbewohner war zuerst krank? Dann ist er wohl Mexikaner und hat die SCHWEINEGRIPPE eingeschleppt!!

Warst du schon beim Arzt? Du weißt ja, mit der SCHWEINEGRIPPE ist nicht zu spaßen!!! 

Manchmal kommt auch nur (und das hört sich für mich schon fast an wie eine versprachlichte Übersetzung von „oink-oink“):

Krank? SCHWEINEGRIPPE- SCHWEINEGRIPPE!!!!

Dabei schnalzt das Reizwort wie eine Kampfsalve über die Zunge, dringt über mein sensibles Ohr ins Hirn, um dann an meinen geschwollenen Mandeln vorbei in den eigentlich von der Grippe verschonten Magen zu wandern und diesen gehörig umzudrehen. Natürlich ist das alles nur ein „Witz“ (wobei sich mir immer wieder die Frage stellt, was daran so verdammt witzig sein soll). Und da ja in jedem Witz eine gewisse Portion Ernst mitschwingt (im Grunde macht der Ernst den Witz ja erst möglich) kann man im Fall der Schweinegrippe beispielhaft ablesen, wie mediale Konditionierung funktioniert.

Als die ersten Fälle der Grippe im April 2009 aufkamen, war das für die Medien ein gefundenes Fressen. Tonalität und wenig faktenreiches Material machte den täglichen Nachrichtenkonsum zur Seifenoper, die in punkto Spannung einem Wolfgang Petersen Streifen problemlos das Wasser reichen konnte. Im raunenden, apokalyptischen Crescendo verkündete die Sprecherstimme die Zahlen der vermeintlich Neuinfizierten. Im Nu hüpfte H1N1 über den weitgehend Mexikaner-resistenten Zaun hinüber zu unseren US-amerikanischen Freunden, und in Windeseile bahnte sich der Virus auch seinen Weg nach Europa, nach Deutschland und, wie schamlos!, sogar ins mallorquinische Ferienparadies. Während die Menschen in Deutschland sofort panisch durcheinander grunzten, wurde der Ausbruch der Krankheit in Mexiko mit der landestypischen Gelassenheit hingenommen. Neben den verteilten Mundschutzen gab es eine Woche schul- und vorlesungsfreie Zeit und nicht zuletzt eine Menge neuer Witze. Bis auf diese ist von dem pandemischen Ungeheuer nicht viel übrig im mexikanischen Alltag. Die vorerst angenommene Zahl von fast 70 Toten wurde kleinlaut auf 7 herunterkorrigiert, in Deutschland verlief noch kein einziger Fall tödlich. Doch der Homo Phobikus im Endstadium lässt sich von solch langweiligen Zahlen nicht das Haar aus der Suppe nehmen; vor irgendetwas muss man ja Angst haben wenn es schon keine Drogenkartelle, Kriege oder Umweltkatastrophen gibt! Da kommen Terror, Feinstaub und Schweinegrippe doch gerade recht. (Neulich, aber das nur am Rande, bekam ich doch tatsächlich einen Anruf aus den Reihen der äußerst fadenscheinigen Partei Bürgerrechtsbewegung Solidarität [BüSo], die mir auf Mitgliederfang weismachen wollte, dass ein erheblicher Prozentteil der Menschheit in nur wenigen Jahren durch die Schweinegrippe ausgerottet sein wird, wenn wir nicht endlich ihren selbsternannten Heiland Lyndon Larouche an die Macht ließen.)

Wie erfolgreich das Geschäft mit der Massenpanik ist, zeigt in diesen Tagen auch die Berichterstattung über die neue Impfung gegen die Schweinegrippe: Mit Priorität auf den gesellschaftlichen Risikogruppen kann sich nun jeder Deutsche, der denn will, gegen Schweinegrippe impfen lassen. Satte 500 Millionen Euro lässt sich das die Bundesregierung vorerst kosten. Pharmariese Novartis (der übrigens immer noch auf Impfvorräten gegen die Vogelgrippe hockt) teilt sich die gigantischen deutschen Umsätze mit nur einem Mitstreiter. So ist innerhalb von nur vier Monaten ein höchst profitabler Markt entstanden, der der Nachfrage kaum nachzukommen vermag. Zwar haben etliche Länder bereits Bedarf an dem Impfstoff angemeldet. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass ärmere Länder, die aufgrund mangelnder hygienischer Bedingungen und schwächerer Gesundheitssysteme eigentlich schneller mit dem Impfstoff versorgt werden müssten, keinen gerechten Anteil daran abbekommen werden. 

Einziger Trost in diesem Szenario bleibt, dass mir durch den Impfstoff nun endlich ein süffisante Antwort zur Verfügung steht, um Phobikern und Spaßvögeln gebührend zu begegnen: beim nächsten Erkältungswehwehchen, bei dem man mit dem Schweinegrippenfinger auf mich zeigt, entgegne ich einfach:

Ach QUATSCH, da gibt es doch jetzt diesen IMPFSTOFF gegen. Habe mich natürlich SOFORT BEHANDELN lassen – sag mir jetzt BITTE nicht, dass DU nicht GESCHÜTZT bist…?!?

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