Ehre dem, dem Ehre gebührt. KAUSA-Medienpreis zum ersten Mal in Berlin verliehen.

Preise werden für Außergewöhnliches verliehen. Für hohes gesellschaftliches Engagement, für exzellente Leistungen. Der in diesem Jahr neu ins Leben gerufene KAUSA-Medienpreis will genau das: etwas Besonderes auszeichnen. Finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung soll der Preis Arbeiten von Journalisten ehren, die auf positive Weise die Bildungswege von Migranten in Deutschland sichtbar machen.

Die Beobachtung, dass Migranten in der deutschen  Berichterstattung überwiegend negativ darstellt werden, ist offenkundig. Daraus abzuleiten, dass eine bloße Umkehrung der Perspektive bereits preiswürdig wäre, ist jedoch ein Trugschluss. Komiker Fatih Cevikkollu, zur Auflockerung bestellt, traf den Nagel auf den Kopf: „Dieser Preis ist wichtig. Er ist sogar so wichtig, dass die Preisverleihung um 10 Uhr statt findet. Und alle schon da sind. Ich fühle mich gesehen.“ Migranten sichtbar machen, darum ging es den überwiegend deutsch-deutschen Machern. Und richtig: Je erfolgreicher Menschen mit Migrationshintergrund werden, desto weniger werden sie überhaupt als Fremde wahrgenommen. Wer sieht schon in ZDF-Moderatorin Dunya Hayali die Irakerin? Wer in Daniel Animati, Moderator des Pro7-Wissenschaftsmagazins Galileo, den Afrodeutschen?

Die ausgezeichneten Beiträge sind zwar handwerklich gut gemacht. Doch dümpeln sie in Bezug auf das breite Feld deutscher Migrationsgeschichten allenfalls der Oberfläche: Für Menschen mit Migrationshintergrund werden hier nur Allgemeinplätze reproduziert, die nun zumindest endlich in der medialen Wirklichkeit einer deutschen Mehrheitsgesellschaft ankommen.

Der KAUSA-Medienpreis zeichnet aus, was eigentlich die Basis journalistischer Praxis ausmachen sollte: faktenbasierte, differenzierte und objektive Berichterstattung. Dass sich die deutsche Journalistenlandschaft nun endlich mit diesem längst überfälligen Thema auseinandersetzt, muss nicht beklatscht werden. Doch dass offenkundig auch deutsche Journalisten adäquat berichten können, gibt uns Journalisten mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, noch kreativer, interessanter und differenzierter über das breite Themenspektrum von Migration zu berichten. Oder die Migrantenthemen jetzt einfach ganz getrost den Deutschen zu überlassen.

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Über moehrenstrasse

Georgina Fakunmoju studierte Europäische Medienwissenschaft in Potsdam und Journalismus in Monterrey, Mexiko. Hospitationen u. a. bei SPIEGEL, ZDF, NDR, Radio Bremen und BILD, darüber hinaus Veröffentlichungen u.a. bei Tagesspiegel und dpa. Freie Journalistin und Online-Redakteurin bei der Werkstatt der Kulturen in Berlin.
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