Kolonialgeschichte in Noten

Im Online-Dossier „Kulturelle Bildung“ der Bundeszentrale für politische Bildung konnte ich einen Artikel über das bemerkenswerte Musikprojekt „1884“ der Berliner Werkstatt der Kulturen verfassen:

http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle-bildung/143776/kolonialgeschichte-in-noten?p=all

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Westbam in der Türkenstraße

Der Wedding hat ein neues Multimedia-Labor. Die Macher versprechen sich nicht nur guten Umsatz – das Studio hat das Zeug zum sozialen Modell-Projekt.

 In sturer Regelmäßigkeit reihen sich Handyläden an 1-Euro-Shops. Gentrifizierung ist im Wedding zwar ein Thema. Aber auf der Müllerstraße, Höhe Kameruner- und Türkenstraße, gibt es keine Hipster. Hier ist das Studio von Edip Özer und Murat Ozak.

Multimedia-Mekka auf kleinem Raum

 „Wenn wir das hier nicht geregelt bekommen, sind wir echt selbst schuld“, sagt Edip. Mit wenig Geld und viel Herzblut hat der 31-jährige Kommunikationsdesigner gemeinsam mit seinem Freund, dem Musikproduzenten Murat Ozak, ein komplett ausgestattetes Multimedia-Studio aus dem Boden gestampft. Seit April bieten die beiden ein Foto- und Musikstudio, Grafik, Animation und Videoproduktion an.

„Was hier entsteht ist super interessant“, sagt Ines Grzyb, die zum Hallo sagen da ist. Nach 20 Jahren Jugendarbeit im Kiez sieht die 49-jährige Streetworkerin müde aus. Manch gute Hoffnung hat sie unter der Bürokratie des Quartiersmanagements, narzisstischer Politik und rassistischen Vorurteilen begraben. Doch ihr Kampfgeist ist geblieben. Auch dank jungen Leuten wie Edip und Murat.

Stark für den Kiez: Ines Grzyb mit ihren Schützlingen Edip Özer (rechts) und Murat Ozak (links)

Pippi in der Krachmacherstraße

 „Ich war fasziniert vom Mut der beiden, mit gestalten zu wollen“, sagt Ines. Mit den weißen Chucks, der bunten Pluderhose und dem feuerroten Haar sieht sie aus wie eine Weddinger Mischung aus Pippi Langstrumpf und Lotta aus der Krachmacherstraße.

Im Grunde ist der ganze Wedding ein weit verästeltes Netz aus Krachmacherstraßen: Überforderte Lehrer, hilflose Eltern und gewaltbereite Schüler prägen den Ruf der Schulen. Soziale Träger kämpfen um viel zu knappe Fördermittel, Jugendclubs schließen. Und die Sozialarbeit kapituliert vor der organisierten Kriminalität, die in der orientierungslosen Jugend leichte Beute findet.

Der größte Verlierer: der Nachwuchs

 Auch in Leuten wie Murat. Der 28-Jährige hat einen Bildungskrieg hinter sich. Er flog von mehreren Schulen, ein Streit mit einer Lehrerin endete vor Gericht. Das eine Mal durfte er zurück. Aber Murat weiß, wer den Krieg verloren hat. Mit Hauptschulabschluss und ohne Ausbildung arbeitete er in der Druckerei, in der auch sein Vater seit 20 Jahren beschäftigt ist. „Diese Chance muss ich jetzt nutzen. Eine andere hab` ich nicht.“

Kollege Edip könnte mit seinem braven Garçon-Schnitt und dem Ringelpulli auch als Wilmersdorfer durchgehen. „Ich weiß, dass ich was kann. Ich will was leisten und zwar jetzt.“ Der gelernte Kraftfahrer studierte mit 24 Jahren Kommunikationsdesign, machte dafür über 300 Euro Studiengebühren im Monat locker. Um sich dann in der Generation Praktikum wiederzufinden.

85 Quadratmeter Selbstbehauptung

 Wochenlang haben Edip und Murat geschuftet. Aus der damaligen Bruchbude haben sie ein professionelles Studio gemacht. Die hiesige Musikszene weiß schon Bescheid. Davon zeugt auch das an die Wand gepinnte Polaroid von DJ Westbam. „Der war letzte Woche da“ sagt Murat. Neben ihm hockt Echse Jean-Claude unbeweglich im Terrarium. Murats Neffe sitzt auf der Couch und macht Hausaufgaben. Am Glamour-Faktor ließe sich noch arbeiten.

Sozialarbeit als Hilfestellung

 Edip und Murat wollen alles richtig machen. Rückenwind gibt es von Ines. Sie spricht mit dem Bezirksamt, stellt Anträge, akquiriert Schul-AGs für gemeinsame Projekte. „Endlich wird das lokale Potential hier im Kiez sichtbar“, freut sie sich. „Es heißt immer es gibt keine Vorbilder. Quatsch!  Die müssen nur mal rangelassen werden.“

Dabei sieht sie sich selbst nur als Stütze. „Die Jugendlichen müssen verstehen, dass man an Strukturen etwas verändern kann.“ Deshalb nimmt sie die beiden Neu-Unternehmer mit zu den drögen Gremiensitzungen. Spannend, findet Murat. „Wir wüssten sonst gar nicht, was das für Leute sind, die über uns entscheiden.“

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„Keine Angst mehr“

In der neuen ägyptischen Regierung sind weniger Frauen vertreten als in der Ära Mubarak. Die Menschenrechtlerin Basma AbdelAziz über verlorene Wahlen und gewonnenes Selbstbewusstsein.

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Basma AbdelAziz ist Autorin und Aktivistin und arbeitet als Psychiaterin am Nadim Center für Opfer von Gewalt und Folter. Ihr Buch „Temptation of Absolute Power“ beschreibt das Verhältnis zwischen Polizei und Zivilbevölkerung und wurde während der Revolution auf dem Tahrir Platz verteilt.

Gestern hat das erste frei gewählte ägyptische Parlament seine Arbeit aufgenommen. Für wen haben Sie gestimmt?

Am Tag der Wahlen war ich gerade inmitten einer Demonstration gegen das Innenministerium und wurde mit Kugeln und Tränengas beschossen. Ich hielt es für falsch, in dieser Situation Wahlen abzuhalten und habe deshalb bei den Parlaments- und bei den Präsidentschaftswahlen ungültig gewählt.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Nein. Im Parlament ist die Hälfte der Sitze an die Muslimbrüder gegangen und etliche weitere an die Salafisten. Die Muslimbrüder hatten versprochen, nicht für mehr als die Hälfte der Parlamentssitze zu kandidieren, taten es doch und haben noch mehr Sitze gewonnen. Sie wollten auch keinen Präsidentschaftskandidaten aufstellen, präsentierten dann aber gleich zwei. Der erste wurde von der Wahlkommission ausgeschlossen aber Mohammed Mursi hat es ins Präsidentenamt geschafft. Die Menschen hatten die Wahl zwischen Mursi und den Militärs, eine echte Alternative gab es nicht.

Die Islamisten stellen den Präsidenten und 70 % der Abgeordneten im Parlament. Sind sie die Gewinner der Revolution?

Bis jetzt. Aber der politische Islam verliert tagtäglich an Anziehungskraft. Die Menschen merken, dass die Muslimbrüder ihre Versprechen nicht halten. Wenn Sie heute normale Leute auf der Straße fragen, ob sie mit den Muslimbrüdern zufrieden sind, werden sie „nein“ hören.

Nur 12 Parlamentssitze gingen an Frauen, die Quote wurde abgeschafft. Sind die Frauen die Verlierer der Revolution?

Ich wiederhole mich: Bis jetzt. Wir haben nur 2 % der Sitze im Parlament und diese wenigen Politikerinnen gehören der Muslimbrüderschaft an. Dennoch: Einfache ägyptische Frauen, die weder Politikerinnen noch Aktivistinnen sind, sprechen plötzlich über ihre Rechte. Sie wollen keine Regierung, die ihr Leben kontrolliert. Die Bloggerin Aliya el-Mahdy hat sich als erste Ägypterin nackt im Internet gezeigt, Samira Ibrahim hat gegen Jungfrauentests geklagt. Die Frauen haben keine Angst mehr. Diese Entwicklung kann die Regierung nicht wieder rückgängig machen.

Die konservativen Parteien gewinnen an Macht, gleichzeitig wächst das Selbstbewusstsein der Ägypterinnen. Wie passt das zusammen?

Wie Sie selbst sagen: es passt nicht zusammen, es ist ein Kampf. Und wie nach jedem Kampf wird es am Ende einen Verlierer und einen Gewinner geben.

Interview: Georgina Fakunmoju und Kaveh Kooroshy

 

 

 

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Aufenthalt mit Fingerabdruck

Millionen Ausländer aus Nicht-EU-Staaten bekommen ab September eine Chipkarte – sie speichert mehr, als viele wollen. Manche Politiker finden die von der EU verordnete Maßnahme bedenklich. Von Georgina Fakunmmoju, Kaveh Kooroshy

http://www.tagesspiegel.de/politik/aufenthalt-mit-fingerabdruck/4561852.html

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Neuer digitaler Aufenthaltstitel für Ausländer ist da

Ab dem 1. September werden 20 Millionen ausländische Bürger in der EU auf den neuen elektronischen Aufenthaltstitel (eAT) umgestellt. Kaum jemand weiß überhaupt davon.

Mein Radiobeitrag dazu auf Funkhaus Europa: http://www.youtube.com/watch?v=2UA9jj8_WIM

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Straßenmusiker Pedro Morales über den Alltag im mexikanischen Drogenkrieg

Mein Radiobeitrag dazu bei Funkhaus Europa: http://www.youtube.com/watch?v=y3Sljh9_DGk

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Frauenmorde an der Nordgrenze Mexikos

Seit über zwanzig Jahren werden an der Nordgrenze Mexikos Frauen gezielt ermordet. Mit steigender Tendenz: Allein 2010 wurden 304 Morde an Frauen gezählt, mehrere Tausend sind verschwunden. Angesichts der allgemeinen Straflosigkeit in Mexiko ist es nicht der Staat, sondern eine starke Frauenbewegung, die sich für Aufklärung einsetzt. Mit Imelda Marrufo (l.), Menschenrechtsaktivistin aus Ciudad Juárez, und der Anwältin Andrea Medina (r.) sprach für ND Georgina Fakunmoju.

Bild 1

 
Foto: Petra Tapia / Böll-Stiftung

http://www.neues-deutschland.de/artikel/196652.das-organisierte-verbrechen-ist-teil-des-staates.html

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